Mittwoch, 5. November 2014

Ballett: "Zauberberg" hat Samstag Premiere

Ballett von Xin Peng Wang nach Motiven aus dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann
Musik von Lepo Sumera
Premiere: Samstag, 8. November, 19.30 Uhr, Opernhaus


Der 28. Juni 1914 ist ein Sonntag. Kaiserwetter. Die Einwohner von Sarajevo sind auf den Beinen, um den österreichischen Thronfolger bei seiner Stippvisite zu sehen. Am frühen Nachmittag fallen zwei Schüsse. Ein neunzehnjähriger Student feuert sie ab. Sie werden die Welt verändern …

Zehn Jahre später setzt Thomas Mann der untergangsträchtigen wie untergangsverliebten Welt vor dem Ersten Weltkrieg mit seinem Roman Der Zauberberg ein literarisches Denkmal: die Abgeschiedenheit eines Schweizer Nobelsanatoriums in den Bergen. Den Schatten eines Schattens diagnostiziert man auf der Lunge von Hans Castorp, geringfügig, ungefährlich. Doch der junge Mann ergreift die Gelegenheit zur Weltflucht. Sieben Jahre wird er inmitten der beeindruckenden Berglandschaft zwischen siechenden Patienten verbringen, ein Lebender, ein Überlebender unter Todgeweihten. Sein stetig wachsendes Interesse am Tod wird er als Lebenshunger, Krankheit als einen Schrei nach Liebe begreifen lernen. Bis die Schüsse von Sarajevo fallen. Auch für ihn.

Nach h.a.m.l.e.t., Der Traum der roten Kammer und Geschichten aus dem Wiener Wald wendet sich Dortmunds Ballettdirektor Xin Peng Wang einem weiteren Werk der Weltliteratur zu, künstlerisches Monument und zeitgeschichtliches Dokument gleichermaßen. Hundert Jahre Erster Weltkrieg, das ist kein Anlass zum Gedenken, sondern zum Nachdenken. Welcher Wahnsinn hat dazu geführt? In welcher Stimmung müssen Menschen sein, um so begeistert in den Tod zu ziehen wie 1914?

In magischen Bildern lässt Xin Peng Wang die Welt des Fin de siècle wieder auferstehen und wirft einen Röntgenblick in die Abgründe, die hinter schöngeistiger Ästhetik lauern. Zauberberg – einer Welt geht der Atem aus.

Die Musik zu dem neuen Handlungsballett stammt von dem estnischen Komponisten Lepo Sumera (1950-2000). Als Kulturminister setzte er sich nach der Autonomie Estlands für die kulturelle Öffnung seines Landes ein. Zu kurz aber war sein Leben, als dass seine unerhört suggestiven Werke einer breiten Öffentlichkeit im Westen bislang bekannt geworden wären.


Nähere Infos auf der Website des Theaters

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