Samstag, 4. Oktober 2014

"Maskenball" ist ein akustischer und optischer Genuss

Sich berauschen an herrlicher Musik, an wunderschönen Stimmen und einem gelungenen Bühnenbild, das Atmosphären und Stimmungen aufs Feinste ins Publikum transportiert – das kann man in Verdis „Maskenball“ am Opernhaus. Die Gemeinschaftsarbeit zwischen Musiktheater Dortmund und dem Londoner Royal Opera House Covent Garden zeigt, dass auch traditionell inszenierte Produktionen heute noch ihre Daseinsberechtigung haben und zu gefallen wissen.

Stimmlich und musikalisch ist dieser „Maskenball“ unter Regie von Katharina Thoma ohnehin auf Topniveau. Stefano La Colla, Sangmin Lee und Susanne Braunsteffer als Riccardo, Renato und Amelia liefern reifen Gesangsleistungen ab, und die Dortmunder Philharmoniker bringen die schöne Verdi-Musik transparent, klar und akzentuiert aus dem Orchestergraben. Tamara Weimerich als quirliger Page Oscar ist nicht nur stimmlich eine Bereicherung, sondern gefällt auch in schauspielerischer Hinsicht mit humorigem Touch. Allen Darstellern gelingt es, Emotionen glaubhaft zu vermitteln. Ein Sonderlob gebührt nicht nur dem Opernchor unter der Leitung von Granville Walker, sondern auch dem drei- oder vierjährigen Kind, das seine Rolle als Sohn von Riccardo und Amelia hervorragend meistert.

Was diese Produktion aber über das rein Musikalische hinaus zu etwas Besonderem macht, ist das stimmungsvolle Bühnenbild von Soutra Glimour. Das fängt bereits im ersten Bild mit einer Szene auf dem Galgenberg an, die an Gothic-Horror-Motive erinnert. Ein guter Regieeinfall sind dabei die lebenden Standbilder – von der Art, wie man sie manchmal in Fußgängerzonen sieht – , die im ersten Moment nicht von ihren steinernen Vorbildern zu unterscheiden sind. Ein Lob für die Maske. Gleiches gilt für die Szene in der Hütte der Wahrsagerin Ulrica.

Wer über die aus heutiger Sicht leicht angestaubt und trivial wirkende Handlung hinwegsehen kann, dafür aber offen für akustische und optische Genüsse ist, der sollte sich den „Maskenball“ ansehen. Das gilt auch für Menschen, die bislang mit dem Genre Oper weniger anfangen konnten, aber vielleicht einen Einstieg in diese Kunstgattung suchen.

Weitere Termine: 5., 12., 18. und 25. Oktober, Karten: www.theaterdo.de, Tel. 0231-50 27222

Andreas Schröter

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