Dienstag, 21. Oktober 2014

Generalmusikdirektor Gabriel Feltz und BVB-Legende Norbert Dickel entdecken Gemeinsamkeiten

GMD Gabriel Feltz (l.) und BVB-Legende Norbert Dickel
beim Talk in der Mayerschen  Buchhandlung. Foto: Schröter
Viele Gemeinsamkeiten entdeckten Generalmusikdirektor (GMD) Gabriel Feltz und BVB-Legende Norbert Dickel bei ihrem Talk am Montag in der Mayerschen Buchhandlung: Um ein erfolgreicher Musiker oder Fußballer zu werden, braucht es neben ein wenig Talent vor allem Fleiß, Fleiß, Fleiß. Man müsse schon einen Teil seiner Jugend opfern, sagte Feltz, um das Ziel zu erreichen. Er habe selbst Fußball gespielt. Eine Zeitlang haben seine Kumpel immer wieder an seiner Haustür geschellt, um ihn zum Kicken nach draußen zu holen. Als er ständig mit der Begründung, noch für die Musik üben zu müssen, abgesagt habe, sei das Klingeln immer weniger geworden. Die Situation kenne er, sagte Norbert Dickel, er habe mal ein Dreivierteljahr Klavier gespielt (die „Champagnerarie“ von Mozart), da sei das ähnlich gewesen. Am Ende hätten aber alle eingesehen, dass eine Musikkarriere nicht das Richtige für ihn gewesen sei: „Wir beiden sind also mit gleichen Voraussetzungen ins Rennen gegangen.“ Für den Fußball habe er sogar noch viel härter trainieren müssen als andere, weil er nicht mit übermäßig viel Talent ausgestattet gewesen sei, so Dickel weiter.

In der Musik laufe laut Feltz das Aussortieren der Besten über Wettbewerbe und Probespielen, bei den Berliner Philharmonikern werde man gleich zwei Jahre lang getestet. Da dürfe man sich in dieser Zeit rein gar keinen Fehler oder Fehltritt erlauben. Im Fußball sei die Pubertät die größte Hürde, erwiderte Dickel: rauchen, Frauen, saufen … Er kenne viele hochtalentierte Jugendliche, die einfach über diese Hürde nicht hinwegkommen. Außerdem brauche man schlicht Glück. Ein Scout müsse beim richtigen Spiel vor Ort sein.  

Zum Thema Alkohol ergänzte Feltz, er trinke am Abend vor Konzerten nicht mal ein Gläschen Wein. Das gehe ihm vor Heimspielen genauso, sagte Dickel. Er wolle nicht vor 80.000 Zuschauern stehen, wenn er nur den Hauch einer Unsicherheit verspüre. Und die stelle sich eben ein, wenn er am Abend zuvor etwas getrunken habe.

Das Thema des Gesprächs war „Helden“ in Anspielung auf das Spielzeit-Motto der Philharmoniker. Hitler-Attentäter Graf von Stauffenberg sei für ihn ein Held, sagte Feltz. Er habe keine Helden, entgegnete Dickel – selbst Mario Götze nicht nach seinem Tor im WM-Finale. „Na gut, vielleicht wenn er noch beim BVB spielen würde“, ergänzte er mit einem Augenzwinkern. Es gebe auch in der Musik einige 21-Jährige, die so ausgebucht seien, dass sie jetzt schon wüssten, was sie am 25. Februar machen, so Feltz. „Da ist es schwer, auf dem Boden zu bleiben.“

Letztes Thema der beiden waren die Fans. Man versuche beim BVB, die Ansprüche von Südtribünen-Besuchern (wollen feiern) und solchen von der Westtribüne (wollen sich zurücklehnen und berieseln lassen) unter einen Hut zu bringen, so Dickel. Das sei  nicht immer ganz einfach. Es gebe auch in der Musik einige Hardcore-Fans, so Feltz. Die Wagnerianer zum Beispiel. „Manche reisen permanent durch die Weltgeschichte, um ja keine Aufführung mit Wagner-Musik zu verpassen. Es könne passieren, dass nach einem Konzert jemand zu ihm komme und sage: „Vor fünf Jahren haben Sie das aber eine Idee schneller gespielt.“


Andreas Schröter 

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