Sonntag, 13. April 2014

"Republik der Wölfe": Ein überbordender und rasanter Angriff auf alle Sinne

„Republik der Wölfe“ ist eine schrille, groteske, laute und abgedrehte Märchenadaption, die niemals langweilig wird, weil die Zuschauer ständig was zu gucken oder hören haben. Manchmal laufen auf der sich drehenden Bühne mehrere Szenen gleichzeitig ab, sodass man mehrmals in dieses Stück gehen müsste, um wirklich alles zu erfassen.

Ähnlich wie zum Beispiel in „Das Fest“ spielt auch die Videokamera eine große Rolle. Manche Szenen laufen irgendwo im Innern der verschachtelten und äußerst aufwendig gestalteten Bühne. Die Zuschauer sehen sie nur über eine große Videowand. Und zu allem spielt eine Liveband – mal rockig, mal zart – unter der Leitung von Paul Wallfisch.

Es gibt keine durchgehende Handlung, vielmehr werden einige der Grimmschen Märchen angerissen und verfremdet, wobei Regisseurin Claudia Bauer sich nicht des Verdachts schuldig macht, allzu zart besaitet zu sein. Wenn den Damen die Gliedmaßen abgesägt werden, spritzt das Theaterblut gleich literweise.

Meine persönlichen Höhepunkte waren Rumpelstilzchen und der Froschkönig. Toll, wie gruselig – und im Grunde doch so einfach - Uwe Schmieder mit zwei Puppenärmchen den Zwerg gibt, der sich für der Königin ihr Kind interessiert. Herrlich, wie Sebastian Kuschmann als Frosch aus dem Bühnenuntergrund steigt und später aus der Prinzessin Becherchen trinkt und von ihrem Tellerchen isst. Seinen dritten Wunsch – im Bettchen der Prinzessin zu schlafen – legt Claudia Bauer recht rüde aus, womit auch diese Szene wunderbar zum Rest des Stückes passt.

„Republik der Wölfe“ ist ähnlich wie Produktionen wie Meister und Margarita oder Das Fest ein Destillat aus dem, wofür das Schauspiel Dortmund unter Kay Voges steht: modernes, lautes, abgefahrenes Theater, bei dem eines garantiert nicht aufkommt: Langeweile. Wer allerdings mehr auf tiefschürfende Dialoge, eine feine Charakterisierung von Figuren und eine sich entwickelnde Handlung steht, der sollte lieber in ein anderes Stück gehen.



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