Sonntag, 30. März 2014

"Der Elefantenmensch": Ein Theaterabend voller Magie




Der Elefantenmensch am Schauspielstudio Dortmund - Regie: Jörg Buttgereit - ist eine rundum gelungene Theaterproduktion. Schon beim Einlass wird der Zuschauer in ein Varieté-Theater im England des 19. Jahrhunderts versetzt, wo der arme John Merrick - und den gab's wirklich - seinen verunstalteten Körper zur Schau stellen musste, um ein wenig Geld zu verdienen.

Das hat etwas von Theatermagie, die dort entfaltet wird. Aber Star des Abends ist natürlich der Elefantenmensch selbst und sein irres Kostüm, das man selbst dann anstarrt, wenn er gar nicht im Mittelpunkt steht. Natürlich verhält sich der Zuschauer dann genauso, wie er es ja nicht soll, denn der Elefantenmensch will ja nicht angestarrt werden, sondern als ganz normaler Mensch angesehen werden. Dem Publikum wird auf diese Weise ein Spiegel vorgehalten.

Herausragend sind - einmal mehr - die schauspielerischen Leistungen, allen voran natürlich Uwe Rohbeck in seinem 30-Kilo-Kostüm, aus dem der Schweiß nur so tropft. Man merkt ihm beim Schlussapplaus an, wie fertig er ist und wie anstrengend der Abend für ihn gewesen sein muss.

Aber auch die anderen Schauspieler bieten eine tolle Leistung: der aufgedrehte Christoph Jöde, dem man immer gerne zuschaut, oder Luise Heyer, die auch vor völliger Nacktheit nicht zurückschreckt. Da entsteht ein schöner Kontrast. Die völlig makellose nackte Schauspielerin - sie spielt eine Schauspielerin - auf der einen Seite und der so grauenhaft verunstaltete Elefantenmensch auf der anderen Seite: Beauty and the beast.

Natürlich transportiert das Stück auch tiefergehende Aussagen nach dem Motto "Vertrauen ist wichtiger als Aussehen" oder wer ist hier eigentlich andersartig: der Elefantenmensch oder die anderen Menschen. Aber all das stand zumindest für mich nicht im Vordergrund dieses Theaterabends - ich habe mich einfach gerne von der gesamten Atmosphäre verzaubern lassen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen