Sonntag, 23. Februar 2014

Eine ungewöhnliche Theaterpremiere mit Feueralarm

Michael Kamp mit seinem Kontrabass
Foto: Austropott
Eine ungewöhnliche Theaterpremiere erlebten Akteure und Zuschauer am Samstagabend im Kino im U. Nachdem Schauspieler Michael Kamp vom Austropott-Theater etwa eine Stunde seines Monologs über den verhassten Kontrabass absolviert hatte, erscholl ein Feueralarm.

Den nahmen die Zuschauer zunächst nicht ernst. Sie glaubten an einen Regieeinfall, schließlich hatte es auch zuvor schon akustische Einspielungen gegeben. Erst als die Mitarbeiter der kleinen Theatergruppe immer wieder darauf hinwiesen, dass dieser Alarm nicht von ihnen komme, verließen die Zuschauer zögerlich den U-Turm und versammelten sich auf dem Vorplatz. Nach 25 Minuten war der Spuk vorbei, die Feuerwehr gab Entwarnung, und das Stück konnte weitergehen. Kaum ein Zuschauer war gegangen.

Auch vor diesem Hintergrund kann man die Leistung, die Michael Kamp an diesem Abend in dem Ein-Mann Stück „Der Kontrabass“ von Patrick Süßkind brachte, gar nicht hoch genug bewerten. Ist es ohnehin schon eine gigantische Konzentrationsleistung, als einziger Akteur auf der Bühne eine Solopartie über 80 Minuten abzuliefern und sich die entsprechende Textmenge zu merken, wird diese Leistung noch größer, wenn man zwischendurch komplett rausgerissen wird und lange im Unklaren bleibt, ob man das Stück überhaupt noch zu Ende spielen kann.

Im „Kontrabass“, einem der meistgespielten Stücke an deutschen Bühnen in den vergangenen Jahren, räsoniert ein Orchestermusiker im Jogginganzug und Bier trinkenderweise über sein Instrument. Anfangs lobt er es über alle Maßen, stellt es als die Mutter aller Instrumente dar. Doch im Verlaufe des Abends wird immer deutlicher, dass er es im Grunde seines Herzens zutiefst verabscheut („dieser Waldschrat der Instrumente“).

Ganz allein auf der Bühne bleibt Michael Kamp übrigens dann doch nicht. Die junge Sängerin Lea Höll läuft einmal von links nach rechts und singt dabei – und das höchst professionell und wohlklingend – das „Ave Maria“. Sie verkörpert die Mezzosopranistin Sara, in die der Kontrabassist heimlich verliebt ist. Insgesamt eine weitere gelungene Theaterproduktion des Austropott-Theaters. Reingehen!

Über den Feueralarm habe ich auch etwas für den  Internetauftritt der Ruhr Nachrichten geschrieben. Hier

Diese Besprechung erscheint auch in der Montagsausgabe der Ruhr Nachrichten, der Westfälischen Rundschau und der WAZ.

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