Sonntag, 16. Februar 2014

Ein Theaterbesuch: "Indien" vom Austropott-Theater im Kino im U

Foto: Austropott-Theater, von links: Harald Schwaiger,
 Richard Saringer, Michael Kamp
Ich bin Fan des Austropott-Theaters im Kino im U. Es ist einfach toll, was die ehemaligen Ensemble-Mitglieder des Dortmunder Schauspiels Michael Kamp, Harald Schwaiger und Richard Saringer dort leisten. Für alle Theaterliebhaber, die nicht immer die ganz großen Inszenierungen mit Video-Installationen und viel Geschrei brauchen, sondern auch mal einen eher klassischen Theaterabend mit humorvoller Unterhaltung mögen, für den ist Austropott zu einer echten Ausgeh-Alternative an den Wochenenden geworden.

Mangels sonstigem Personal wuseln die drei schon vor Beginn der Vorstellungen durchs Foyer, sitzen an der Kasse oder reißen beim Einlass die Karten ab. Vor allem Harald Schwaiger vermag es dabei mit österreichischem Charme, die ansonsten etwas unterkühlt-nüchterne Atmosphäre im Erdgeschoss des U-Turms mit Warmherzigkeit aufzuladen, zum Beispiel indem er jedem einzelnen Zuschauer einen schönen Theaterabend wünscht. Das alles wirkt rundum sympathisch, und auch dem U-Turm tut diese eher bodenständige Note bei seinem ansonsten elitären Charakter gut. Ein weiterer Pluspunkt sind die bequemen Sitze mit viel Beinfreiheit im "Kino im U". Und wer ein Bier mit in die Vorstellung nehmen möchte, darf das nicht nur, sondern findet im Vordersitz sogar noch ein ausklappbares Tischchen dafür.

Mittlerweile läuft nach „Kunst“ und „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ die dritte Produktion des Austropott-Theaters: „Indien“. Und da kommen wir ein bisschen zu den Schattenseiten dieses Textes: „Indien“ hält nicht ganz das hohe Niveau von „Kunst“ („Sechs Tanzstunden …“ ist als ehemalige Schauspiel-Produktion ein Sonderfall). Die Gags sind etwas flacher, das ganze Stück wirkt nicht ganz so straff wie „Kunst“: Zwei Außendienstmitarbeiter (Harald Schwaiger und Richard Saringer) reisen zwecks Hotel-Bewertung von einem Ort zum anderen. Die beiden verstehen sich nicht sonderlich gut. Sie öden sich an, und wenn sie überhaupt miteinander sprechen, ist ihre Unterhaltung flach. Es besteht in dieser Phase des Stückes die Gefahr, dass auch die Zuschauer die Handlung auf der Bühne und die Dialoge als etwas öde empfinden. Erst später nähern die beiden Männer sich an. Als schließlich einer von ihnen erkrankt, werden sie sogar zu Freunden, und das Stück nimmt zum Ende hin deutlich Fahrt auf und wirkt viel kraftvoller als zu Beginn. Dennoch gelingt es nicht mehr ganz, den schwächeren Eindruck vom Anfang wegzuwischen.

Auch wenn die Auswahl des Stücks diesmal nicht hundertprozentig gelungen ist, zeigen Schwaiger und Saringer mit ihrem vielseitigen Spiel, dass sie Profis sind. Es macht schon Spaß, ihnen bei ihrem Tun auf der Bühne zuzuschauen, da wird die eigentliche Handlung fast zur Nebensache.

Mehr Infos: www.austropott.de  

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